„Sprachenvielfalt in Europa“

Ján Figel’— Zuständiges Mitglied der Europäischen Kommission für
Allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Mehrsprachigkeit

Regensburg, 20 April 2006

Flags Europe Eu – Free photo on Pixabay

Meine Damen und Herren,

In etwas mehr als einem Monat ist Deutschland Austragungsort eines der
weltweit größten Sportereignisse. Im Publikum werden Menschen aus
32 Nationen sitzen und ihr Team im Kampf um den Fußballweltmeistertitel
anfeuern. Sie werden nicht nur ihre Hoffungen und Erwartungen mitbringen,
sondern auch ihre Sprachen … von Arabisch bis Ukrainisch, von Kroatisch
bis Koreanisch, von Farsi bis Portugiesisch – Slowakisch wird zu meinem
Bedauern nicht dabei sein.


Dieses außergewöhnliche sportliche Ereignis bietet eine einmalige
Gelegenheit, der einheimischen Bevölkerung und den Besucherinnen und
Besuchern gleichermaßen den Wert der Mehrsprachigkeit näher zu bringen.
Und ich bin überzeugt, so manche Besucherin und manchen Besucher wird
der Weg auch in die historische Stadt Regensburg führen.

Die Mehrsprachigkeit ist ein Teil dessen, was die Europäische Union
ausmacht. Unsere Gesellschaft ist geprägt vom friedlichen Nebeneinander
von Menschen aus unterschiedlichsten Sprachgemeinschaften. Wenn wir
Fremdsprachen lernen und sprechen, werden wir toleranter und offener für
andere Menschen, andere Kulturen und andere Sichtweisen. Bürgerinnen
und Bürger, die über gute Sprachenkenntnisse verfügen, können den
Binnenmarkt besser nutzen und in einem anderen Mitgliedstaat arbeiten oder
studieren – oder verkaufen.


Als die neue Kommission Ende 2004 ihr Amt antrat, betonten Präsident
Barroso und das Europäische Parlament die Bedeutung der sprachlichen und
kulturellen Vielfalt der Union. Zum ersten Mal erhielt ein Kommissar einen
Aufgabenbereich, in dem die Mehrsprachigkeit ausdrücklich aufgeführt ist.

Die Aufnahme der Mehrsprachigkeit in meinem Aufgabenbereich war ein
wichtiger Schritt. Viel zu lange galt Mehrsprachigkeit als Problem. Jetzt
bemühe ich mich intensiv um ein kohärentes Aktionsprogramm, das das
Engagement der Kommission für Mehrsprachigkeit als aktiven
Tätigkeitsbereich unter Beweis stellt.


Mehrsprachigkeit funktioniert auf zwei Ebenen:

  • Zum einen bringt sie Europa den Bürgern näher.Im rechtlichen Sinne ist
    die Mehrsprachigkeit eine Strategie, die gewaehrleisten soll, dass
    Bürger, Unternehmen, Vereine und andere Zusammenschlüsse sich in
    ihrer eigenen Sprache an die EU-Institutionen wenden und Zugang zu
    Entscheidungen und Informationen über das Vorgehen der EU erhalten
    können. —
  • Zum anderen bringt die Mehrsprachigkeit die Bürger einander
    näher.
    Sie ist Ausdruck des Bestrebens, die Bürger und Völker in die Lage zu
    versetzen, sich untereinander besser zu verstehen und miteinander zu
    kommunizieren und dabei gleichzeitig ihre kulturelle Identität und
    sprachliche Vielfalt zu wahren.

Diese Vielfalt geht weit über die zwanzigAmtssprachen der Europäischen
Union hinaus: Sie umfasst die etwa sechzig in der Union gesprochenen
autochthonen Sprachen, ganz zu schweigen von den zahlreichen Sprachen,
die von den großen Migrantengemeinschaften in den Mitgliedstaaten
gesprochen werden.


Die Kommission wendet sich gegen die Aussage, es sei ausreichend, wenn
die Bürger nur eine Lingua franca erlernten. Ein Bürger, der sich auf das
Erlernen einer einzigen Lingua franca beschränkt, wird nicht die
interkulturellen Kenntnisse erwerben, die das Erlernen einer Fremdsprache
in ihrem gesamten kulturellen Kontext ermöglicht.


Auf jeden Fall kann der Bedarf der europäischen Industrie und Wirtschaft nicht
durch Bildungssysteme gedeckt werden, aus denen junge Menschen
hervorgehen, die sich nur in ihrer eigenen Sprache und auf einer Lingua franca
verständigen können.

Die von der Kommission verfolgte Politik der Mehrsprachigkeit umfasst drei
Schwerpunktbereiche:

  • Erstens die Beibehaltung des Mehrsprachigkeitsprinzips für die EU
    Organe, damit die Kommunikation zwischen der Union und allen ihren
    Bürgerinnen und Bürgern gelingt. Diese Aufgabe ruht auf den Schultern
    der Kolleginnen und Kollegen in den Übersetzungs- und
    Dolmetschdiensten.
  • Zweitens die Betonung der zentralen Rolle, die Sprachen und
    Mehrsprachigkeit in der europäischen Wirtschaft spielen; hier geht es
    auch darum, Mittel und Wege zu finden, diese Rolle weiter auszubauen.
    Und
  • drittens intensive Bemühungen, damit alle Bürgerinnen und Bürger mehr
    Sprachen erlernen und sprechen, um das gegenseitige Verständnis und
    die Kommunikation zu verbessern: Je mehr Menschen Fremdsprachen
    sprechen, desto eher bilden die vielen Sprachen Europas nicht Barrieren
    sondern Brücken.

„Eine neue Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit“

Zunächst geht es um die bereits erwähnte Frage der Mehrsprachigkeit der
EU-Organe.


Die Europäische Union kann nämlich Rechtsvorschriften erlassen, die für
die Bürger, Unternehmen und Gerichte in der EU unmittelbar bindend sind
und die daher aus rechtsstaatlichen Gründen in einer ihnen verständlichen
Sprache vorliegen müssen. Alle Bürger sind zudem berechtigt und dazu
aufgerufen, die EU mitzugestalten. Dabei müssen sie sich ihrer eigenen
Sprache bedienen können.

Der politische Preis eines nicht mehrsprachigen Systems wäre sehr hoch.
Hätten die Bürgerinnen und Bürger keinen Zugang zu Informationen und
Rechtsvorschriften in einer Sprache, die sie verstehen, könnte ihr
Verständnis für das, was in ihrem Namen getan wird, und damit ihr
Vertrauen in die EU völlig verloren gehen. Die EU würde zu einem
geschlossenen System werden, das nur Spezialisten verstehen.


Wie multilingual die Bürgerinnen und Bürger auch sein mögen, es wird
immer Bedarf an eigens ausgebildeten Konferenzdolmetscherinnen und -dolmetschern sowie an Übersetzerinnen und Übersetzern geben. Daher ist
die Kommission gerne bereit, eng mit Universitäten zusammenzuarbeiten,
um eine Berufsausbildung auf höchstem Niveau zu gewährleisten.


Wir wissen natürlich, dass wir noch besser werden können. Aus diesem
Grund wird in der Mitteilung zur Mehrsprachigkeit ein internes Netzwerk
für die Mehrsprachigkeit vorgeschlagen, um sicherzustellen, dass das
Informationsangebot der Kommission, vor allem auf den EUROPA
Webseiten, so vielsprachig wie möglich ist.

Der zweite der drei Bereiche betrifft die multilinguale Wirtschaft.


Die Bedeutung von Sprachen und Mehrsprachigkeit für die europäische
Wirtschaft darf nicht unterschätzt werden. Die Sprachenindustrien sind ein
wichtiger Wirtschaftsfaktor in der EU und spielen eine beachtliche Rolle für
die Beschäftigung. Nehmen wir Sprachenunterricht und Sprachentests als
Beispiel: Der Jahreshaushalt einiger unserer Sprach- und Kulturinstitute geht
in die hunderte Millionen Euro. Ganz zu schweigen von allen anderen
sprachbezogenen Wirtschaftszweigen, wie Dolmetschen, Übersetzen,
redaktionelle Bearbeitung,
Schreiben von Zusammenfassungen,
Terminologie, Sprachtechnologien… usw.

Es gibt einige Anzeichen dafür, dass die Grenzen zwischen den einzelnen
Sprachenberufen mehr und mehr verschwimmen. Linguisten, Übersetzer,
und Dolmetscher, sie alle müssen zunehmend eine ganze Reihe von
Aufgaben übernehmen, die weit über die Aufgaben hinausgehen, für die sie
ausgebildet wurden. Die universitären Ausbildungsprogramme müssen den
Studierenden die Fähigkeiten und Kompetenzen vermitteln, die diese
wesentlich vielseitiger gewordenen Berufe voraussetzen.


Und natürlich braucht in einem „grenzenlosen“ Europa ein grosser Teil der
Erwerbstätigen praktische und anwendbare Kenntnisse anderer Sprachen
und Kulturen.

Das führt uns zur Frage: Wie können wir dafür sorgen, dass bei
Entscheidungen darüber, welche Sprachen in unseren Bildungs- und
Ausbildungssystemen gelehrt werden, die Bedürfnisse aller Betroffenen
berücksichtigen werden – nicht zuletzt jene der Beschäftigten? Sind unsere
Bildungseinrichtungen in der Lage, auf die unternehmensseitige Nachfrage —
nach Absolventinnen und Absolventen mit praktischen, verwertbaren,
fremdsprachlichen und interkulturellen Kompetenzen in den Sprachen aller
unserer Handelspartner zu reagieren?

Der dritte und bei weitem größte Bereich betrifft die Schaffung einer
multilingualen Gesellschaft.


Aktive „gesellschaftliche“ Mehrsprachigkeit ist für die Zukunft der
Europäischen Union von entscheidender Bedeutung: Es gilt alle Bürgerinnen
und Bürger zu ermutigen, ein Leben lang eine Reihe von Sprachfertigkeiten
zu entwickeln und zu nutzen.


Langfristig verfolgt die Kommission das Ziel, die individuelle
Mehrsprachigkeit kontinuierlich voranzutreiben, bis alle Bürgerinnen und
Bürger zusätzlich zu ihrer Muttersprache über praktische Kenntnisse in
mindestens zwei weiteren Sprachen verfügen.

Die neuesten verfügbaren Daten lassen jedoch bedenkliche Entwicklungen
erkennen:

  • Die durchschnittliche Anzahl der auf der Sekundarstufe erlernten
    Fremdsprachen ist nach wie vor weit entfernt von dem auf der
    Europäischen Ratstagung in Barcelona 2002 festgelegten Ziel– dem
    Erwerb von zwei Fremdsprachen ab dem frühen Kindesalter.
  • Die Bandbreite der unterrichteten Sprachen ist häufig extrem gering.
  • Die Sprachenkenntnisse sind nach wie vor sehr ungleichmäßig verteilt –
    es gibt große Unterschiede zwischen zentralen Regionen und —
    Randgebieten, zwischen älteren und jüngeren Mitgliedstaaten sowie
    zwischen Altersgruppen und sozialen Schichten.
  • Angesichts immer mehr älterer Lehrkräfte in Europa ist auch die Frage
    zulässig, ob wir die Sprachenlehrkräfte nicht besser auf die vor ihnen
    liegenden Herausforderungen vorbereiten können.

Die Europäische Kommission arbeitet in vielfältiger Weise auf die
„gesellschaftliche“ Mehrsprachigkeit hin:

  • Da sind zunächst die Förderprogramme
    ;
  • dann die Maßnahmen im Bereich des „Arbeitsprogramms für
    allgemeine und berufliche Bildung 2010“;
    und
  • schließlich der Aktionsplan der Kommission „Förderung des
    Sprachenlernens und der Sprachenvielfalt“
    .

Die Förderprogramme

Im Rahmen der Programme SOKRATES und LEONARDO investiert die
Europäische Kommission jedes Jahr mehr als 30 Millionen Euro in Projekte,
die dafür sorgen, dass die Begeisterung der Sprachenlernenden und ihrer
Lehrkräfte nicht nachlässt (Austauschprogramme zwischen Schulen,
Fremdsprachenassistentinnen und –assistenten, Ausbildungsprogramme für
Lehrkräfte, Sensibilisierungsmaßnahmen usw.). —


Erwähnen möchte ich selbstverständlich auch die enormen Investitionen in
Mobilität durch die Aktion Erasmus, das Programm Jugend und die
Städtepartnerschaften.

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass die beste Möglichkeit,
Menschen für andere Sprachen und Kulturen zu interessieren, die
Bezuschussung ihrer Auslandsaufenthalte ist.Die Berichte von Menschen,
die an einer dieser Mobilitätsaktionen teilgenommen haben, belegen
ebenfalls, dass hier ein Schlüsselfaktor zur Motivation für das Kennenlernen
der Nachbarn und das Erlernen von deren Sprachen zu finden ist.


Daher haben wir in unseren Vorschlägen für eine neue Reihe von
Programmen ab 2007 eine deutliche Anhebung der Mittel für
Mobilitätsmaßnahmen sowie eine Erweiterung der Bandbreite der
Sprachaktionen vorgesehen. Ich bedauere sehr, dass uns die Mitgliedstaaten
darin – zumindest bis jetzt – nicht unterstützen.

„Arbeitsprogramm für allgemeine und berufliche Bildung 2010“

Mit Blick auf das „Arbeitsprogramm für allgemeine und berufliche
Bildung 2010
“ haben die Staats- und Regierungschefs erklärt, dass die
Union „bis zum Jahr 2010 der wettbewerbsfähigste und dynamischste
wissensbasierte Wirtschaftsraum der Welt“ werden soll. Deshalb, möchten
sie gleichzeitig Europas Bildungs- und Berufsbildungssysteme bis 2010 zu
einer weltweiten Qualitätsreferenz machen.
Im Rahmen des „Arbeitsprogramms für allgemeine und berufliche Bildung
2010“ wurde eine Expertengruppe für den Sprachenbereich eingesetzt.

Die Vertreter der Mitgliedstaaten in dieser Sprachenarbeitsgruppe wollen in
folgenden Bereichen zusammenarbeiten:

  • Vergleich der Konzepte und Maßnahmen, und;
  • Lernen von vorbildlichen Verfahren in anderen Mitgliedstaaten.

Diese Arbeitsgruppe hat folgende acht Empfehlungen für die
Mitgliedstaaten formuliert:

  1. die Bedeutung der Sprachenvielfalt stärker ins Bewusstsein zu rücken;
  2. klare Ziele für den Sprachenunterricht zu formulieren;
  3. dafür zu sorgen, dass das Angebot der Regelschule regionale,
    Minderheiten-, Nachbar- und Migrantensprachen enthält;
  4. Kontinuität beim Übergang von der Erst- auf die Zweitsprache
    sicherzustellen;
  5. den bilingualen Unterricht (Fremdsprache als Arbeitssprache – CLIL) zu
    fördern;
  6. auf der Grundlage der Skala des „Gemeinsamen Europäischen
    Referenzrahmens“ transparente Zertifizierungssysteme auszuarbeiten;
  7. Mentoring-Systeme für Sprachenlehrkräfte einzurichten; und
  1. die Systeme für die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen für
    den Sprachenunterricht auszuweiten.

Die Liste der zu bearbeitenden Bereiche ging aus den Bemühungen der
Mitgliedstaaten hervor, ihre eigenen Systeme und Konzepte mit denen ihrer
Nachbarn zu vergleichen und dabei herauszufinden, was sie voneinander
lernen können und wie sich jeder einzelne dabei verbessern kann.


Dieser Ansatz steckt natürlich noch in den Kinderschuhen. Schon der
Gedanke, eine Annäherung der Sprachunterrichtsmaßnahmen der
Mitgliedstaaten anzustreben, ist völlig neu in der Europäischen Union. Auf
jeden Fall haben sich die Mitgliedstaaten auf einen neuen Prozess
eingelassen – mit der Kommission als Moderator –, der das Potenzial hat,
wirkliche Verbesserungen im Sprachenbereich herbeizuführen.

Aktionsplan „Förderung des Sprachenlernens und der Sprachenvielfalt“

Der Aktionsplan sieht für die Zukunft drei entscheidende große
Tätigkeitsbereiche vor:

  • Erstens sollen die Vorteile des Sprachenlernens allen Bürgern zugute
    kommen (vom jüngsten Kindesalter an über Sekundarschul- und
    Hochschulbildung bis hin zur Erwachsenenbildung).
  • Der zweite Bereich ist die Verbesserung der Qualität des
    Sprachunterrichts.
  • Der dritte Punkt ist die Schaffung eines sprachenfreundlichen Umfelds.
    Die Schlüsselthemen sind hier: ein integrativer Ansatz für die
    Sprachenvielfalt, Verbesserung des Bewusstseins für Sprachen durch
    die Medien und natürlich auch das Internet sowie Verbesserung des
    Sprachlernangebots und seiner Inanspruchnahme.

Im Rahmen des Aktionsplans für Sprachen hat die Kommission mehrere
Studien in Auftrag gegeben und eine Reihe von Konferenzen zu
Schwerpunktthemen einberufen. Die Themenpalette reicht von Regional-
und Minderheitensprachen über „integriertes Lernen von Inhalten und
Sprache“, Sprachenlernende mit besonderen Bedürfnissen bis hin zu
Möglichkeiten, Menschen für das Erlernen von Fremdsprachen zu
motivieren.


Im Jahr 2007 wird die Kommission berichten, was sie und die
Mitgliedstaaten bei der Förderung des Sprachenlernens und der sprachlichen
Vielfalt erreicht haben.

Schon jetzt zeichnen sich ganz klar drei Haupterfordernisse ab:

  • die Notwendigkeit, nationale Pläne für Sprachenerwerb und sprachliche
    Vielfalt zu schaffen;
  • die Notwendigkeit, wirksame Maßnahmen zu einem früheren Beginn
    des Sprachenlernens durchzuführen;
  • die Notwendigkeit, die Ausbildung von Fremdsprachenlehrern neu zu
    gestalten.

Die Zukunft

Die Durchführung des Aktionsplans für Sprachen wird bis Ende 2006
weiterhin Priorität haben.


Danach wird die Förderung des Sprachenlernens und der sprachlichen
Vielfalt einen wichtigen Platz in unserem neuen Programm für lebenslanges
Lernen ab 2007 einnehmen.


Ein wichtiger zukünftiger Tätigkeitsbereich betrifft den europäischen
Indikator der Sprachenkompetenz. Es hat noch nie eine standardisierte
Erfassung der sprachlichen Fähigkeiten in der Union insgesamt gegeben. Es
ist von entscheidender Bedeutung, genaue und aktuelle Daten über die
Wirksamkeit der Systeme des Fremdsprachenunterrichts zu erheben. Dies
geschieht mithilfe eines europäischen Indikators der Sprachenkompetenz,
mit dem gemessen werden soll, wie rasch wir uns unserem Ziel des
mehrsprachigen Bürgers nähern, indem
die generellen
Fremdsprachenkenntnisse in allen Mitgliedstaaten erfasst werden.


Es werden eigens entwickelte Kompetenztests an Stichproben von Schülern
in Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen in allen Mitgliedstaaten
durchgeführt werden müssen. Nach den Vorstellungen des Rates von
Barcelona soll der Indikator für jede Person in der Testgruppe die
Fähigkeiten in mindestens zwei Fremdsprachen messen.

Der Indikator wird intensiv Aufmerksamkeit auf die Leistungen der
Mitgliedstaaten im Bereich Fremdsprachenunterricht lenken und die
Mitgliedstaaten dazu anregen, ihre Bemühungen um einen besseren
Fremdsprachenunterricht zu verstärken.

Meine Damen und Herren,
*


  • Das Europa, das wir uns für die Zukunft wünschen, ist stolz auf die
    Bewahrung des Wertes all ihrer Sprachen und Kulturen. Diese Vielfalt ist
    unser größter Trumpf. Wir müssen die Botschaft vermitteln, dass die
    sprachliche Vielfalt der Union in Wirklichkeit ein Gewinn ist — und zwar
    einer, auf den wir stolz sind.
    Ganz wichtig ist es, die Lehrpläne für ein größeres Sprachenangebot zu
    öffnen, um den Schülern und ihren Eltern eine größere Auswahl zu bieten.
    Und wir müssen Maßnahmen ergreifen, um eine „Sprachenkluft“ zwischen
    denen zu vermeiden, die nur ihre Muttersprache sprechen, und denen, die
    auch andere Sprachen beherrschen.
    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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